Graphitgrau ist der Himmel, wie mit einem dunklen Bleistift schraffiert. Der Punto frisst die Autobahn-Kilometer. Ich werde müde, E. übernimmt das Steuer. Hinten das Kind, gefangen in der neu entdeckten Welt des Rap. Ab und zu ein halblaut mitgesungenes Textfragment. Meine Augen fallen zu aber ich kann nicht schlafen. Doch mit jeder Minute rückt unser Ziel näher und die Verkehrsdichte steigt. Viele wollen heute zum Bodensee, es ist Pfingstsonntag, langes Wochenende.
Ein großes dunkles Auto schleicht aus einem Parkplatz entlang der Straße auf der wir fahren, nur noch wenige Kilometer bis zum Ziel. Der Fahrer sieht uns nicht, E. kann knapp vorbeiziehen. Es sind buchstäblich wenige Zentimeter. Eine Sekunde später und wir wären mit über 80 Stundenkilometern ungebremst in das schwere Auto gefahren. Die bisher gedämpften Rhytmen von der Rückbank werden lauter, das Kind hat die Ohrstöpsel entfernt. "Was war denn?" kommt mit noch viel zu lauter Stimme die neugierige Frage als er die vor Schrecken geweiteten Augen der Eltern wahrnimmt.
Wir sind da. Ein wie immer großartiges Frühstück erwartet uns. Pläne werden diskutiert. Sind es Prägungen aus der Kindheit wie E. meint? Ich glaube es nicht, habe zumindest keine Erinnerungen an gemeinsame Fahrten auf großen Schiffen. Aber wann immer ich am Bodensee bin muß es einfach sein. Partiell hat sich die Wolkendecke geöffnet, erste blaue Fetzen Himmel sind zu erkennen.

Eine hohe Dichte von Booten und Autos erwartet uns in Langenargen, selten habe ich so viele Porsche auf einmal gesehen.

Wir verlieren uns im Getümmel, finden uns wieder. Kaffee, sowohl heiß als auch in Form eines Eisbechers wird serviert. Es wird Zeit für den Rückweg, der Himmel zieht wieder zu. Windig ist es auf dem hinteren Deck, trotz Pullis und Jacken eigentlich zu kühl.

Der neue Gasgrill der Gastgeber sieht futuristisch aus, fast als könne er aus eigenem Antrieb in die Lüfte steigen und wie ein Zeppelin eine Runde um den See fahren. Stattdessen bleibt er stoisch auf dem Balkon stehen und tut das wofür er gebaut wurde. Er grillt uns zwei Scheiben Käse als Vorspeise, dann Würste, Lamm- und Schweinefleisch.

Schon spät ist es geworden als wir scharfe Messer in weiche Bananenleiber rammen und diese mit dunkler Schokolade füllen. Innen und außen schwarz kommen die Früche aus dem Grill, die wohlschmeckende süße Pampe füllt die Mägen endgültig.


Wir umarmen uns, sagen Dank für den schönen Tag und die köstlichen Speisen. Ich fahre die erste Hälfte der Strecke bis mich die Müdigkeit wiederhat. Wieder zu Hause angekommen schaffe ich noch ein Glas Wein bevor ich mich traumlos schlafen lege.
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